28.05.14

Der "Stimmenkönig" lässt die anderen im Regen stehen

 

Grund zur Freude haben derzeit die Christdemokraten Thomas Gottweiss, neuer Bürgermeister der Landgemeinde Ilmtal-Weinstraße, und CDU-Kreistagsfraktionschef Mike Mohring, hier bei einem Termin in Mattstedt. Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Grund zur Freude haben derzeit die Christdemokraten Thomas Gottweiss, neuer Bürgermeister der Landgemeinde Ilmtal-Weinstraße, und CDU-Kreistagsfraktionschef Mike Mohring, hier bei einem Termin in Mattstedt. Foto: Dirk Lorenz-Bauer

Weimarer Land: Weit über 10.000: Mike Mohring (CDU) zieht bei der Kreistagswahl doppelt so viele Stimmen wie Landrat Münchberg.

Sektkorken knallen bei der Kreis-SPD derzeit nicht. Eher braucht es gute Nerven, um die Wahlniederlage von minus 4,3 Prozent zu verdauen. Zwar wolle man den Kopf jetzt nicht in den Sand stecken, so der Kreisvorsitzende Daniel Gross. Aber ein wenig enttäuscht sei man schon. Immerhin verliert die SPD zwei Kreistagssitze. Gross erhielt 1792, Dirk Schütze 2700 Stimmen. Vor beiden rangiert mit Blick auf die SPD-Liste bei den Ergebnissen nur Hans-Helmut Münchberg (pl).

Der Landrat, als "Zugpferd" eingesetzt, zog 5089 Stimmen, 2009 waren es noch 6512. Ergo: Entweder sein Popularität lässt nach oder Listenplatz 4 war ungünstig. Was indes mit dem SPD-Ergebnis ohne Münchberg geschehen wäre, mag sich bei der SPD keiner ausmalen. Dass der Landrat indes gar nicht in den Kreistag einzieht, war klar.

Landrat verliert gegenüber 2009

Im Vergleich mit Münchberg lesen sich die (alles vorläufige) Ergebnisse von CDU-Fraktionschef Mike Mohring (10"306 Stimmen) sowie von Linkspartei-Frontmann Stefan Wogawa (5124) besser beziehungsweise wesentlich besser. Allerdings differenziert Gross, dass man sehen müsste, dass Mohring und Wogawa je auch Parteistimmen erhielten, weil sie auf Platz 1 (Gross auch) ihrer Liste (Plätze 1 bis 3 erhielten automatisch je eine Stimmen, wenn die Partei angekreuzt wurde) kandidierten. Münchberg auf Platz 4 hingegen musste rein auf seine Person setzen, relativiert Gross.

Dennoch, SPD-Verlust bleibt SPD-Verlust. So kündigte Gross an, dass man das Ergebnis genau analysieren werde. Die von der SPD in Gang gesetzten Strukturveränderungen und die Neu-Akzentuierung bräuchten eben Zeit. Daher wolle man sich im Kreistag im Sinne der Bürger weiterhin der Sacharbeit widmen. Fürs schlechte Abschneiden macht er im Übrigen den allgemeinen rechtskonservativen Trend verantwortlich. Die Zersplitterung des neuen Kreistages (zehn Fraktionen/Fraktionslose) betrachtet Gross kritisch. Und: "Dass die NPD einzieht, ist eine Katastrophe."

Mit wem sich die CDU partnerschaftlich zusammentun wird (CDU-SPD 23 oder CDU-FWW 24), bleibt einstweilen offen. Fakt jedenfalls ist, dass die CDU Wahlsiegerin ist. Keine der bereits vertretenen Parteien/Vereine außer ihr hat zugelegt. Vielmehr erlitt die Konkurrenz teils heftige Verluste. CDU-Fraktionschef Mohring sieht darin eine Bestätigung der CDU-Politik. Zudem habe man gemeinschaftlich einen konzentrierten und inhaltlich solide untersetzten Wahlkampf hingelegt. Außerdem meinte Mohring nicht ohne Stolz, dass er nach 2004 (12"329) und 2009 (8867) das dritte Mal infolge "Stimmenkönig" geworden sei. Mohring liegt mit Abstand vorn. Dass es eben nicht um einen Großteil Parteistimmen gehe, zeige die Differenz zu Christiane Schmidt-Rose auf Listenplatz 2, meinte er.

Nicht zuletzt könne die CDU zehn Kandidaten vorweisen, die jeweils mehr als 1000 Stimmen erhielten. Obendrein habe man einen Sitz hinzu gewonnen. - Und das bei zehn konkurrierenden Listen und einer derart starken Zersplitterung. Dass Parteien wie die NPD überhaupt einziehen können, sei dem Fall der Fünf-Prozent-Hürde geschuldet.

Mit Blick auf die AfD erklärte Mohring, dass deren Spitzenkandidat, Wolfgang Prabel, ja schon bei der CDU sowie der FDP-Fraktion gewesen sei. Nun mache er eben mal was bei der AfD; "das spricht für sich"."."."

Apropos sprechen: Die CDU werde, versicherte Mohring, den Landrat in jede Art von Koalitionsgesprächen einbeziehen. man sei gewillt, die Kooperation mit ihm fortzusetzen.

Wogawa: Zersplitterung macht alles komplizierter
Mit mehr als einem Sitz gerechnet hat Piraten-Spitzenkandidat Lutz Gundlach. Trotzdem freue er sich übers Ergebnis. In die Abläufe werde man sich sicher schnell reinfuchsen.

Einen Sitz büßte die Linkspartei ein. Spitzenkandidat Wogawa sagte, dass die Mehrheitsbildung angesichts des neuen Kreistages schwieriger wird. Das Gremium in spe müsse nun auslöffeln, was der Landrat mit seinen teils grenzwertigen, rechtspopulistischen Äußerungen im Amtsblatt eingebrockt habe. Das habe übrigens auch der SPD geschadet, so Wogawa. Zum Gespräch mit allen demokratischen Kräften sei man bereit, was die NPD ausschließe. Bei der AfD kenne er außer Wolfgang Prabel niemanden. Sie käme für eine Kooperation nicht infrage, wenngleich man diese nicht mit der NPD gleichsetze.

AfD-Spitzenkandidat Wolfgang Prabel sagte, dass zwei Sitze ganz passabel seien, man sich um die Senkung der Müllgebühren kümmern wolle. Zudem stünde die Streichung der Fraktionsgelder auf der AfD-Agenda.

Die Zersplitterung sieht FWW-Spitzenkandidat Rüdiger Eisenbrand als einen Grund für den Verlust eines Sitzes. Der CDU gratuliere er zum Plus und zu einem guten Wahlkampf. Vielleicht, schätzt Eisenbrand, hätten die FWW an dieser Stelle noch etwas mehr tun sollen.

Dirk Lorenz-Bauer / 27.05.14 / TA