13.09.13

Weimarer Land in der Jugendhilfe gut aufgestellt

 

TA-Redakteur Klaus Jäger sprach mit dem Thüringer Vorsitzenden des Jugendhilfeausschusses Mike Mohring (CDU) über die Situation der Jugendhilfe im Weimarer Land.

Apolda. Um 6,9 Stellen wurde die Zahl der Schulsozialarbeiter vergangene Woche vom Jugendhilfeausschuss aufgestockt. Klaus Jäger sprach mit dem Ausschussvorsitzenden Mike Mohring über die Situation in der Jugendhilfe.

Die Schulsozialarbeit in allen Ehren. Aber wer, Herr Mohring, kümmert sich nach Schulschluss um die jungen Leute?

Wir sind im Kreis Weimarer Land gut aufgestellt. Im Kinder- und Jugendbereich werden allein im Altkreis Apolda über 23 Stellen finanziert. Die kümmern sich in Jugendclubs und in den Schulen, beim Sportbund und in Beratungsstellen. Und: Da sind die 35 Mitarbeiter des Jugendamtes noch gar nicht mitgerechnet.

Die Jugendclubs machen ja offenbar eine gute Arbeit. Aber wer kümmert sich um die Jugendlichen, die ihre Zeit buchstäblich auf der Straße verbringen?

Da haben wir momentan in der Tat ein Problem. Offensichtlich kümmert sich niemand ausreichend, sobald die Jugendlichen ihre Schule oder die Jugendclubs verlassen haben.

Wie man nicht nur am Kaufland täglich sehen kann...

Genau. Dazu liegt mir übrigens ein Schreiben des Apoldaer Polizeichefs vor, der dringend um die Einsetzung eines Streetworkers bittet. Die Drogenkriminalität nimmt zu, die Zahl jugendlicher Straftäter ebenfalls.

Und warum macht das der Ausschuss nicht?

Der Ruf nach noch mehr Stellen greift zu kurz. Für die jetzt vorhandenen 19 Stellen in der Stadt Apolda wenden wir ca. 633.000 Euro auf. Wenn wir dieses Niveau halten wollen, brauchen wir mehr Qualität in der Jugendarbeit.

Also keine Streetworker, die für die Jugendlichen außerhalb der Clubs da sind?


Zumindest keine zusätzlichen Stellen. Im Prinzip sind die Streetworker ja schon da durch unser System von Gebietsjugendpflegern und Jugendsozialarbeitern.

Aber die sitzen doch in den Clubs und Beratungsstellen...


Ja, genau das ist ein Teil des Problems. Sich nur in den Clubs um die Jugend zu kümmern reicht nicht aus, aufsuchende Jugendarbeit beginnt eben vor der Clubtür.

Sollten sich nicht die Gebietsjugendpfleger um die Jugendlichen auf der Straße kümmern?

Nicht allein. Wir können nicht trennen: Hier hört der Jugendclub auf und dort fängt die Gebietsjugendpflege an. Aber die in der Kinder- und Jugendarbeit Tätigen müssen einfach mehr miteinander reden und ihre Arbeit vernetzen.

Also ein neuer Arbeitskreis?


Ich will keine neuen Arbeitskreise. Das ist doch alles schon da. Man muss mal nachdenken, was ein Handwerksbetrieb mit 23 Mitarbeitern alles leisten kann. Da hinkt die Jugendhilfe noch weit hinterher, hier scheinen alle ihre eigenen Süppchen zu kochen.

Was doch eigentlich das Jugendamt koordinieren sollte, oder?

Deswegen habe ich im Ausschuss angekündigt, alle Beteiligten einzuladen. Im besten Fall entsteht eine inhaltliche Debatte aus der wir unsere Jugendarbeit qualitativ weiterentwickeln. Wir brauchen keine Kampfabstimmung über einzelne Projekte. Die Angebote sind notwendig und komplett - fließend für alle Altersgruppen und auch in Konfliktfällen. Wir müssen sie aber besser miteinander verknüpfen.


Klaus Jäger / 12.09.13 / TA