22.08.17

Milchpreis-Entwicklung als Thema in Schmidts Wohnstube

 

Staatssekretärin und Bundestagsabgeordnete besuchten zwei Landwirtschafts-Betriebe im Weimarer Land

TLZ, Michael Grübner

Troistedt. Bundes- und Europapolitik in der kleinen Wohnstube eines Bauernhofes: Die Auswirkungen der Milchpreis-Krise von 2015/16 und Wege, solchen Szenarien künftig vorzubeugen, waren gestern Thema eines Treffens, zu dem der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) geladen hatte. Aus Hannover war dafür Maria Flachsbarth angereist, Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft. Die CDU schickte zudem ihre Bundestagsabgeordnete Antje Tillmann sowie den Landesvorsitzenden Mike Mohring. Gastgeber war Ralf Schmidt, der mit seinem Bruder Jörg seit 1992 einen Milchvieh-Betrieb in Troistedt betreibt und im Bundesbeirat des BDM den Freistaat Thüringen vertritt.

"Im Moment geht es", sagt Schmidt mit Blick auf die Milchpreis-Entwicklung. Das Loch, in das der Markt nach dem Auslaufen der europäischen Quotenregelung im Frühjahr 2015 stürzte, hat sein Hof "mit vielen blauen Augen" überstanden. Knapp 34 Cent bekommt der Landwirt zurzeit von der Erfurter Großmolkerei DMK für das Kilogramm Milch. Vor einem Jahr waren es noch zehn Cent weniger - ein Preis, der bei weitem nicht die Produktionskosten deckte. Mit dem aktuellen Niveau kann Schmidt die Kosten begleichen, hat aber keinen Spielraum für Investitionen. Halbwegs solide wirtschaften könnte er ab 40 Cent pro Kilo - ein Preis, der zuletzt 2014 für wenige Monate gezahlt wurde. Knapp über 50 Tiere leben zurzeit auf dem Hof. Das Futter bauen die Schmidts auf rund 75 Hektar Ackerfläche selbst an.

Der BDM hat ein Konzept erarbeitet, um Milchpreis-Krisen auf längere Sicht entgegenzuwirken, und will nun schon seit einiger Zeit die Politik dazu bewegen, die Rahmenbedingungen dafür zu gewährleisten. Das war der Grund für die Einladung nach Troistedt. Der Termin könnte dazu beigetragen haben, Missverständnisse zu beseitigen: Staatssekretärin Flachsbarth argwöhnte, im Konzept der Milchbauern solle der Staat als Marktteilnehmer in Erscheinung treten. Falls das nicht so sei, bitte sie um eine etwas präzisierte neue Variante des Papiers. Die Türen zu ihrem Büro in Berlin stehen dem BDM für weitere Gespräche stets offen, versicherte sie. Mohring empfahl den Bauern, auf dieses Angebot einzugehen. Antje Tillmann wies auf ein Detail aus ihrem Spezialgebiet, dem Finanzwesen hin - die "Steuerglättung" über drei Jahre, die helfen soll, verlustreiche Phasen auszugleichen.

Nach der Stippvisite im Kleinbetrieb ging es weiter zu einem "Großen": Tillmann, Flachsbarth und Mohring fuhren anschließend ins wenige Kilometer entfernte, ebenfalls zur VG Grammetal gehörende Mönchenholzhausen, um mit den Verantwortlichen der dortigen Agrargenossenschaft sowie Vertretern des Bauernverbandes zu reden. Hier wurden sie mit Folgen des Klimawandels konfrontiert: Das wechselhafte Sommerwetter mit regelmäßigen ergiebigen Niederschlägen machte den Bauern zu schaffen. Ernteverzögerungen, Qualitätseinbußen insbesondere beim Weizen, zusätzliche Kosten sowie Probleme bei den Ernte-Nachfolgearbeiten kamen zur Sprache. Gerade bei der Gülle-Ausbringung sei es in diesem Zusammenhang notwendig, Ausnahmegenehmigungen zuzulassen. Die Staatssekretärin sicherte zu, sich dieser Problematik kurzfristig anzunehmen.