21.03.17

Mohring: Land soll Erfurter Stadion vollständig bezahlen

 

Der CDU-Landes- und Fraktionschef schlägt vor, die Fördermillionen an den Bund zurückzuzahlen. So wäre die Arena in ihren Verhandlungen mit Rot-Weiß Erfurt freier

Von Martin Debes, TA

Erfurt. Es steht nicht gut um das neue Erfurter Stadion und seinen Hauptnutzer, den Fußballclub Rot-Weiß. Die Miete ist zu hoch für den Verein, der um seine Lizenz fürchtet. Die Stadt Erfurt will kein Geld geben, und wenn, dann nur unter Auflagen. Nun meldet sich auch der Oppositionsführer im Landtag - und fordert Landesmillionen.

Herr Mohring, der FC Rot-Weiß Erfurt kann die Stadionmiete nicht bezahlen. Sie sagen, Sie haben da eine Idee . . .

Es zeigt sich, was wir immer gesagt haben: Das Finanzierungsmodell funktioniert nicht. Der frühere SPD-Wirtschaftsminister Matthias Machnig hat einen Gordischen Knoten geschnürt - und der lässt sich bekanntlich nicht lösen, indem man an einzelnen Fäden zieht.

Und wie soll dann dieser Knoten durchschlagen werden?

Das Kernproblem ist die Kofinanzierung des Stadions durch den Bund. Die Auflagen und EU-Vorschriften, die damit einher gehen, lassen keinen Spielraum bei der Mietpreisgestaltung. Zudem beschränkt der geforderte Multifunktionscharakter die Nutzung der Arena.

Um wie viel Geld geht es?


Wir reden von 16 Millionen Euro. Alle Beteiligten müssen sich ernsthaft fragen: Was gewinnen wir, wenn wir die an den Bund zurückzahlen?

Wie bitte? Das Land soll auf eine zweistellige Millionensumme an Fördergeldern verzichten, um einen Fußballclub zu begünstigen?


Nein. Die Überlegung ist, mit Landesgeld Bundesgeld und damit Auflagen abzulösen. Das verhält sich volkswirtschaftlich neutral. Außerdem: Ohne diese Lösung würde der Steuerzahler dauerhaft draufzahlen, da Rot-Weiß die geforderte Miete ohne Hilfe Dritter nicht aufbringen kann und irgendwann sogar die Arena GmbH selbst scheitern könnte. Es gibt ja noch nicht einmal ein zukunftsfähiges Betreiberkonzept. Deshalb sollten wir gleichzeitig zur Ablösung der Bundesmittel die Sportstättenförderung insgesamt neu ausrichten. Dabei wäre ernsthaft zu prüfen, Messe und Sportstätten beim Land in eine Hand zu legen. Das Land finanziert ohnehin an vielen Stellen mit. Möglicherweise ließe sich das künftig wirksamer bewerkstelligen.

Glauben Sie wirklich, dass sich die rot-rot-grüne Landesregierung auf die Vorschläge der Opposition einlässt?


Ich hoffe, dass meine Idee im Sinne des Sports konstruktiv diskutiert wird. Hier darf es nicht um Parteipolitik gehen, sondern um eine langfristige und kluge Lösung, die dem Land insgesamt nutzt. Im Übrigen verfügt das Land aktuell über eine Reserve von mehr als einer Milliarde Euro. Wir wollen, dass damit auf der einen Seite Schulden getilgt werden - und auf der anderen Investitionen erfolgen, die wirklich nachhaltig sind. Genau hier würde ich die Priorität setzen.

Wie schön. Jetzt haben wir aber doch noch eine Frage: Warum ist ein Carl-Zeiss-JenaFan wie Sie so am Schicksal von Rot-Weiß interessiert?

Erfolgreicher Profisport ist für jedes Land und jede Stadt ein Imagegewinn - das trifft für Fußball, aber eben auch für Handball, Biathlon, Volleyball oder zum Beispiel den Eissport zu.

Was Carl Zeiss betrifft: Natürlich muss sich das Land auch für das Stadion im Paradies ebenso engagieren. Eine Multifunktionsarena hätte auch da nie funktioniert und war auch nicht gewollt.

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MDR Thüringen Journal 21.03.2017