25.10.18

Aschermittwoch im Herbst

 

CDU-Kreisverband lädt zum ersten mal zu einem Kloßessen nach Heichelheim ein

Heichelheim. Mike Mohring hat seine Hausaufgaben erledigt.Eine gründliche Bestandsaufnahme der politischen Situation, eine Expedition in das, was man „Volksseele“ nennt, und eine Ahnung davon, wie man sie streichelt, schienen die Zutaten, aus denen der Landes- und Kreischef der CDU seine Rede für Mittwochabend zubereitete. Die Union des Weimarer Landes hattezum ersten Mal zum Kloßessen nach Heichelheim eingeladen – zu einer Art politischem Aschermittwoch im Herbst.

Vom Hering zu Beginn der Fastenzeit im Apoldaer Mohring-Land ein Jahr vor der Landtagswahl zum Thüringer Nationalgericht in den ehemaligen Wahlkreis von Christine Lieberknecht zu wechseln, schmeckte dabei durchaus nach Programm. Und nach Kloß. Den servierte die Firma Ablig bewusst ohne Fleisch, dafür mit eigens von der Oberweißbacher Naturfleisch GmbH georderter guter Rindersoße. Schließlich sollte der Kloß in seiner Hauptrolle bestehen – und seine Aufnahmefähigkeit unter Beweis stellen.

Der Großobringer Thomas Heß, der den Abend als Vorsitzender des CDU-Ortsverbandes Nordkreis mitorganisierte, hatte vorab mit etwa 80 Gästen gerechnet. Letztlich meldeten sich 220 an. Unter den Besuchern fanden sich Vertreter aus der Wirtschaft, von Apoldas Strickchic-Chef Gerald Rosner bis hin zu Susanne Deininger von der Mellinger Firma KTW, ebenso wie Lokalpolitiker. Allein die Riege der Bürgermeister deckte die Spanne von Großheringen bis nach Neckeroda ab. Der Blankenhainer Stadtrat Volker Anding räumte ein, zum ersten Mal die Thüringer Kloß-Welt zu besuchen: „Zu DDR-Zeiten war ich einmal in der Mühle zu einem Brigadeabend, seitdem nicht mehr in Heichelheim.“

Mit Apoldas Bürgermeister Rüdiger Eisenbrand und Alt-Landrat Hans-Helmut Münchberg nahmen bekannte Gäste ohne CDU-Parteibuch im Saal Platz. Dem Jung-Ruheständler aus Tiefengruben stand es ins Gesicht geschrieben, weiterhin Vergnügen an solchen Runden zu empfinden. Dabei, ob er noch einmal den Sprung auf die politische Bühne wagen wolle, sieht er sich zumindest nicht in der aktiven Rolle. „Das Amt muss zum Manne kommen – nicht umgekehrt. Und im Moment habe ich noch im Garten zu tun.“

Anders der Einladende: Bestimmt, aber nicht polternd, machte Mohring klar, dass die CDU die Volkspartei in Thüringen und wieder in der Regierungsverantwortung sein wolle. „Wir leben in unruhigen, polarisierten Zeiten, in denen eine Regierungsbildung in der Mitte schwierig ist. Die Mitte muss laut sein, denn Extremismus ist Mist“, so Mohring.

Er kritisierte Populisten, machte sich aber dennoch Argumente des Zeitgeistes zu eigen: Er streichelte die „Kleinen“, denen immer mehr Lasten aufgebürdet würden, schalt „die da oben“, die in Berlin zu oft streiten und in Erfurt ihren Aufgaben nicht gewachsen seien.

Er mahnte Meinungsfreiheit an und das Verständnis, Menschen, die sie gebrauchen, nicht automatisch in die rechte Ecke zu stellen. Er forderte ein, die Beteiligten des Übergriffes auf dem Weimarer Zwiebelmarkt bei ihrer Herkunft zu nennen. Er übte Selbstkritik: „Wir haben auch nicht alles richtig gemacht. Deshalb hocken wir jetzt in der mistigen Opposition. Wir waren arrogant, aber wir haben gelernt: Auch der Andere kann Recht haben.“ Und nicht zuletzt pflegte er hin und wieder hemdsärmeligen Jargon. Die Gäste im Saal sollten für die CDU werben, „selbst wenn ihr heute besoffen unter der Bank liegt.“

TA / Jens Lehnert / 25.10.18


Jetzt bookmarken:blogmarksdel.icio.usdigg.comgoogle.comlive.comMa.gnoliaMister Wongnewsvine.comstumbleupon.comTechnoratiYahooMyWebYiggIt